Das Liquometer

Die älteste Erwähnung des Vinometers, die wir ohne aufwendige Suche haben finden können, stammt aus dem Jahr 1904. Bei dem Liquometer scheint es sich um einen Vorläufer des Vinometers zu handeln, welches in einer Fachzeitschrift für Analytik von 1867 beschrieben wird.

Messprinzip und Aufbau

Ebenso wie die Messung mit dem Vinometer beruht die Messung mit dem Liquometer mit der Fähigkeit einer Flüssigkeit, in Kapillaren aufzusteigen (Kapillarattraktion). Je höher der Alkoholgehalt einer Flüssigkeit, desto geringer ist die Kapillarattraktion. Durch die Ähnlichkeit zum Vinometer ist es keine Überraschung dass Faktoren, die die Vinometermessung beeinflussen, auch die Genauigkeit des  Liquometers beeinträchtigen, also zum Beispiel die Visokosität der Flüssigkeit und die Temperatur.

Außer der eigentlichen Kapillare liegt noch ein kleines Brett bei, mit dessen Hilfe man die Kapillare exakt über der Testflüssigkeit positionieren muss.

Abb. 6.B1: Ein Liquometer mit Transportbehälter. Es besteht aus einer Kapillare und einem kleinen Brett mit Bohrung.
Abb. 6.B2: Das einsatzbereite Liquometer.
Abb. 6.B3: Ein Blick auf die Skala verrät: Der Wein hat einen Alkoholgehalt von gut 14 %.

Die Durchführung einer Messung

Die originale Gebrauchsanweisung ("Beschreibung des Verfahrens") lautet wie folgt:

"In Fällen, wo man eine strenge Genauigkeit zu erhalten sucht, hat man folgende Vorschriften zu beachten: Man legt das Brettchen auf ein gewöhnliches Glas, welches man zu 3/4 mit der zu untersuchenden Flüssigkeit anfüllt.

Man faßt den Zylinder am oberen Ende an, setzt ihn in die in der Mitte des Brettchens befindlichen Oeffnung und drückt den Apparat nieder bis der Endpunkt (der Kapillare) 2-3 Millimeter in die Flüssigkeit kommt, dann saugt man am oberen Endpunkt leicht an, bis etwas von der Flüssigkeit in den Mund kommt, damit der Zylinder inwendig gehörig benäßt werde, hierauf zieht man den Zylinder soweit zurück, dass der Endpunkt nicht mehr eintaucht, dann läßt man ihn langsam wieder hineingleiten, bis die Spitze die Flüssigkeit berührt. Man bemerkt dies leicht, indem der Zylinder auf der Flüssigkeit sich spiegelt; berühren sich das Ende des Zylinders und sein Bild auf der Flüssigkeit, so stehen sie gleich.

Man saugt nun von neuem ein, aber so leicht, daß man keine Flüssigkeit in den Mund bekommt, dann verfolgt man mit den Augen die zurückgehende Flüssigkeitssäule, und der Punkt, wo dieselbe stille steht, giebt den Weingehalt an.

Gut ist es, die Operation ein- oder zweimal zu wiederholen, um sich von der Richtigkeit zu überzeugen.

 

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© Dr. Andreas Kranz 2009