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Ich habe die
Bäckerhefe bereits im Kapitel "Die Mikrobiologie" vorgestellt und möchte
mich deshalb hier auf die praktischen Fragen bei der Weinbereitung
beschränken. Ich möchte Ihnen nahe bringen, warum Sie eine Reinzuchthefe
verwenden sollten und möchte ihnen die verschiedenen Heferassen kurz
vorstellen. Da es lästig ist, die Hefen jedes mal neu kaufen zu müssen,
bekommen Sie Tipps zur Lagerung und zum Umgang mit den Hefen, denn
wie Sie sehen werden, können Sie auch den gekauften Hefen nicht blind
trauen. Ich fand in Flüssigkulturen verschiedener Lieferanten
Verunreinigungen mit Essigsäurebakterien und Schimmelpilzen. Grundsätzlich
gilt:
Ein Weinansatz, der nach vier oder fünf Tagen
noch nicht gärt, hat ein Problem! Möglicherweise war die verwendete
Hefe nicht in Ordnung!
Unser Rekord: Ein Ansatz Bananenwein hat etwa 8
Stunden nach Hefezugabe verhalten geblubbert, nach 15 Stunden war die
Gasbildung so stark, dass beim Schütteln das Wasser aus dem Gärröhrchen
spritzte.
Wilde bzw. spontane Gärung contra Reinzuchthefe
Wenn man keine Reinzuchthefe verwendet, spricht man
von einer "Spontangärung" oder einer "wilden Gärung". Hervorgerufen wird
diese Art von Gärung durch Mikroorganismen, die auf den Früchten oder
Beeren haften und sich vermehren von austretenden Säften, wenn die Frucht
z.B. Risse aufweist. Diese Mikroorganismen gelangen mit großer Zahl in den
Weinansatz, ob Sie nun eine Reinzuchthefe verwenden oder nicht.
Auf der Weintraube finden sich die Hefen der Gattung
Saccharomyces zunächst in Unterzahl, es dominieren sogenannte "Apiculatushefen"
der Gattungen Kloeckera und Hanseniaspora, Hansenula und Candida
sowie weitere Hefen, aber auch Milchsäure- und Essigsäurebakterien. Im
sich selbst überlassenen Most verursachen diese Hefen schließlich die
spontane oder wilde Gärung, die durchaus zu einem guten Wein führen kann. Der Grund
hierfür ist die Dominanz der Saccharomyces-Arten in der späten
Gärphase: Bei der Angärung vermehren sich zunächst alle Mikroorganismen. Später, bei steigendem
Alkoholgehalt, werden die unerwünschten Hefen aber zunehmend gehemmt, und
die Saccharomyces-Arten gewinnen die Oberhand, denn sie besitzen
eine höhere Alkoholtoleranz als die anderen Mikroorganismen und eine
bessere Gärfähigkeit. Soweit, so gut.
Warum sollte ich also eine Reinzuchthefe verwenden?
Die Spontangärung hat einige Nachteile. Man
kann die Spontangärung als Fehlgärung verstehen, die sich erst später bei
höherem Alkoholgehalt qualitativ der Reinvergärung annähert. So entstehen
besonders zu Beginn der Gärung
allerlei Nebenprodukte, die eigentlich nicht gewollt sind. So finden sich
bei der Spontangärung mehr unerwünschte Produkte wie Essigsäure,
Essigsäureethylester und höherkettige Alkohole, die den "Kopfschmerz
danach" verursachen können. Nur in geringer Menge können diese Stoffe
den Geschmack des Weins vorteilhaft beeinflussen.
Ein weiterer Nachteil: Spontane Gärungen verlaufen
in der Regel langsamer. Da in der frühen Phase der schützende Effekt des
Alkohols ausbleibt haben andere unerwünschte Mikroorganismen wie z.B.
Bakterien oder Schimmel leichtes Spiel und können den Wein durch ihre
Tätigkeit geschmacklich negativ beeinflussen oder sogar verderben.
Die käuflichen Hefen wurden optimiert,
"sauber" zu gären und möglichst wenig unerwünschte Nebenprodukte zu
bilden. Nur mit Reinzuchthefen können Sie reproduzierbar wohlschmeckende
Weine herstellen, die keinen Brummschädel am nächsten Morgen hervorrufen.
Diese Weine schmecken oft harmonischer und sind bei Lagerung
geschmacksstabiler.
Die Reinzuchthefen wurden außerdem daraufhin optimiert, dass die Gärung
auch bei hohem Zuckergehalt schneller in Gang kommt, was vielen
Weinfehlern vorbeugt, denn durch den entstehenden Alkohol wird z.B. das
Wachstum von Essigsäurebakterien frühzeitig unterbunden. Weiterer Vorteil
der Reinhefe ist die Osmotoleranz, d.h. auch zuckerreiche Moste werden
vergoren, und deren höhere Alkoholtoleranz.
Eines sollten Sie außerdem bedenken: Bei den
heutzutage behandelten Trauben, die im Laden zu kaufen sind, wissen Sie
nie, ob überhaupt eine brauchbare Hefe an den Früchten klebt. Gerade bei
Honigweinen, die oft nur wenig Frucht oder pasteurisierten Fruchtsaft
enthalten, wäre eine wilde Gärung ein absolutes Glücksspiel. Da auf Obst
und Beeren im Gegensatz zu Trauben oft nur wenige oder gar keine
Saccharomyces-Arten vorkommen, muss bei der Fruchtweinbereitung
eine Reinzuchthefe verwendet werden!
Fazit:
Ja, eine Reinzuchthefe ist absolut
notwendig!
Die verschiedenen Heferassen
Die verschiedenen Rassen wurden aus Wildhefen
gezüchtet und unterscheiden sich nicht nur in ihrer Alkoholtoleranz.
Jede Rasse bildet eine einzigartige Mixtur aus Aromastoffen,
die den Geschmack eines Weins mitbestimmt. Entsprechend werden
die Hefen in verschiedene Geschmackskategorien eingeteilt. Ein
wichtiges Unterscheidungskriterium ist die Menge des Glycerins,
das während der Gärung als Nebenprodukt entsteht. Geschmacklich
als "süß" eingestufte Hefen bilden großen
Mengen Glycerin, bis zu 10 g/l. Den positiven Effekt des Glycerins
im Wein habe ich schon im Kapitel "Die Mikrobiologie"
beschrieben: Glycerin (H2COH-HCOH-H2COH) schmeckt süßlich und dickt die
Flüssigkeit förmlich ein. Dadurch haftet der Wein länger
an den Schleimhäuten und ist hauptverantwortlich für
die Nachhaltigkeit des Weingeschmacks. Glycerin ist übrigens
gesundheitlich völlig unbedenklich und Baustein tierischer
und pflanzlicher Fette. Mit diesen "süßen" Hefen lässt sich aber bei
entsprechender Zuckerdosierung ebenso ein trockener Wein herstellen wie
mit anderen Hefen.
Die nachfolgende Tabelle soll einen kleinen
Überblick vermitteln. Die angegebene Alkoholtoleranz habe
ich der Literatur entnommen. Zudem ist angegeben, wie viel Zucker
(aus den Früchten und hinzu gegebener Zucker) vergoren wird,
bis der angegebene Alkoholgehalt erreicht wird. Erfahrungsgemäß
können die von den Hefen verbrauchten Zuckermengen aber deutlich von
diesen theoretischen Werten abweichen, zudem
bilden Hefen mit niedriger und mittlerer Alkoholtoleranz
oft deutlich mehr Alkohol als angegeben.
Bedenken Sie zudem, dass beim Gärstart ohnehin keine
hohe Zuckermenge in den Ansatz gehört, auch bei Hefen mit hoher
Alkoholtoleranz nicht. Wie im Kapitel "Zucker" dargestellt, kann eine hohe Zuckermenge beim Gärstart zu einer Gärhemmung führen!
| Heferasse |
Alkoholtoleranz
[% Vol.]
|
Zucker auf 10 l Wein [g]
|
Aroma |
| Assmannshausen |
7-9
|
1400
|
leicht herb
|
| Burgunder |
9-12
|
1700
|
kräftig stark herb
|
| Haut Sauternes |
12-16
|
3300
|
kräftig süß
|
| Liebfraumilch |
9-11
|
1800
|
kräftig mildherb
|
| Pfälzer |
8-9
|
1600
|
kräftig herb
|
| Portwein |
12-15
|
3300
|
kräftig würzig
|
| Samos |
12-16
|
3400
|
kräftig süß
|
| Sherry |
12-15
|
3300
|
kräftig süß
|
| Steinberg |
8-10
|
1600
|
kräftig mild
|
| Tarragona |
14-16
|
3600
|
kräftig, sehr süß
|
Lieferformen der Hefe
Reinzuchthefen sind in der Regel in zwei
Formen erhältlich: Als Flüssigkultur und als Trockenhefe.
Generell gilt: Viel hilft viel! Der Einsatz einer größeren
Hefemenge garantiert das rasche Einsetzen der Gärung. Dies
kann zwar zu einer starken Schaumbildung führen, andererseits
verhindert der rasch entstehende Alkohol, dass wilde Hefen,
schädliche Bakterien oder Schimmel sich unkontrolliert im
Ansatz (im Most) vermehren können. Solche ungewollten Organismen
haften an allen Früchten an, ihre Anwesenheit im Gäransatz
ist nicht zu verhindern. Deshalb soll die Gärung unbedingt
innerhalb von maximal 7 Tagen einsetzen.
Flüssighefen
Zur Herstellung der Flüssigkulturen wird etwas
Reinzuchthefe in zuvor keimfrei gemachten Trauben- oder Apfelsaft
vermehrt. Dabei kommt es, wie bei der Weinbereitung auch, zu einer Gärung.
Ist dieser Prozess abgeschlossen, wird der so entstandene Wein samt den
Hefen in kleine Fläschchen abgefüllt. Die Zellen befinden sich nun in
einem Ruhestadium und können sich wieder vermehren, sobald sie bessere
Lebensbedingungen wie in einem frischen Weinansatz finden. Entsprechend
einfach ist die Anwendung: Die Hefen, die sich bei längerer Lagerung am
Boden des Fläschchens absetzen, werden kurz aufgeschüttelt, und die Kultur
wird zum Weinansatz gegeben. Nach 2-5 Tagen sollte die Gärung einsetzten.
Das ist die Theorie. Die Praxis hat jedoch gezeigt,
dass viele Gärprobleme durch eine schlechte Qualität der Flüssighefen
hervorgerufen werden. Die flüssigen Reinzuchtkulturen altern schnell und
ihre Gärfähigkeit nimmt nach und nach ab. Bei längerer Lagerung sterben
immer mehr Zellen ab, dieser Vorgang wird insbesondere durch ungünstige
Lagertemperaturen beschleunigt, z.B. in einem heißen sommerlichen
Verkaufsraum oder bei sehr hohen oder sehr niedrigen Temperaturen während
des Transports. Wird die Flüssighefe falsch gelagert ist das angegebene
Mindesthaltbarkeitsdatum nicht die Farbe wert mit der es gedruckt wurde.
Der Hobbywinzer sollte daraus zwei Lehren ziehen:
Erstens gilt bei Flüssighefen das Motto "Viel hilft viel!". Die Kulturen
haben in der kleinsten Packungsgröße ein Volumen von 25 oder 50 ml, diese
Menge reicht laut Herstellerangabe für bis zu 50 l Wein. Dieser Angabe
sollte man in der Praxis keine Beachtung schenken und die Flüssighefe
immer komplett in einen Weinansatz geben, auch wenn er nur 5 oder 10 l
Volumen hat. Geöffnete Kulturen sollten ohnehin sofort verbraucht werden,
damit sich ggf. Luftkeime nicht vermehren können. Zweitens sollten Sie
Ihre Flüssigkulturen deshalb möglichst frisch kaufen, am besten im
Versandhandel direkt beim Hersteller, und sie im Kühlschrank lagern.
Wer keine Fehlgärung riskieren will setzt von
Flüssighefen immer einen Gärstarter an (siehe unten) oder verwendet
Trockenhefen.
Trockenhefen
Die Zellen zur Herstellung von Trockenhefe werden
ebenfalls in Saft vermehrt, anschließend wird ihnen möglichst viel Wasser
entzogen; die Zellen werden dehydriert. So können die Hefen besser
gelagert werden, sie vertragen in dieser Form höhere Temperaturen besser,
deshalb können auch angebrochene Tütchen können aufbewahrt werden:
Angebrochene Gebinde mit Trockenhefe werden gründlich verschlossen und im
Kühlschrank aufbewahrt.
Für 10 l Wein reichen 1-2 g Trockenhefe völlig aus.
Eine Überdosierung sollte vermieden werden damit die Gärung nicht zu stark
verläuft. Die Anwendung der ist denkbar einfach: Die Hefe wird einfach in
den Weinansatz oder auf die Maische gestreut, nach 10-20 Minuten Wartezeit
wird der Ansatz gründlich gemischt.
Wer seine Hefe besonders schonend behandeln will
sollte sie stattdessen sanft mit Wasser rehydrieren bevor sie in den Wein
gegeben wird.
Dazu wird die Trockenhefe im zehnfachen Volumen Wasser oder Apfelsaft
(also mindestens 100 ml für 10 g Trockenhefe) eingestreut und vorsichtig umgerührt,
bis sie gut gelöst ist. Die Flüssigkeit sollte lauwarm sein (etwa 30°C,
die Temperatur darf 45°C nicht übersteigen, da die Hefen dann absterben!).
Nach 30 min kann die Suspension in den Most gegeben werden.
Sie können die Gärfähigkeit einer Trockenhefe einfach testen: Wenn Sie
Apfelsaft zur Rehydrierung verwendet haben, so sollte das Gemisch nach 30
bis 90 min anfangen zu schäumen, da die Gärtätigkeit einsetzt. Haben Sie
Wasser verwendet, so können Sie etwas Zucker hinein geben, um den gleichen
Effekt zu erzielen (etwa 1-2 Teelöffel Zucker auf 100 g Hefelösung).
Warum Trockenhefe der Flüssighefe überlegen ist
Früher habe ich meist Flüssighefen verwendet,
bis ich böse Erfahrungen damit gemacht habe: Ich habe alle gekauften Hefen
auf Petrischalen getestet, mit einem festen synthetischen Medium gefüllt
sind. Der Mikrobiologe spricht von einem Vereinzelungsausstrich: Dazu habe ich etwas vom
Hefebodensatz oben
auf den Platten verteilt. Mit einer sterilen Öse habe ich die dicht an dicht liegenden Zellen
so auf dem freien Raum der Platte verteilt, dass sie einzeln zu liegen
kommen und sich ungestört teilen können und Kolonien bilden. Das sind
große Zellhaufen, die heranwachsen, bis man sie mit dem bloßen Auge
erkennen kann. Diese Zellhaufen nennt man Kolonien. Form und
Farbe der Kolonien können sich unterscheiden, je nachdem, aus was für
einer Hefe oder Bakterie die Kolonie hervorgegangen ist.
Dabei sind mir verschiedene unschöne Dinge
aufgefallen. Bei einigen Reinzuchthefen unterschieden sich die Kolonien
und Form und Farbe. Die Untersuchung mit dem Mikroskop ergab zwar, dass es
sich ausschließlich um Hefen handelte, trotzdem war es offensichtlich ein
Gemisch aus mehreren Arten. Ich war also etwas verunsichert und bestellte
die Hefen später nochmals. Und siehe da, nun erwiesen sich die Kolonien
des Vereinzelungsausstrichs als homogen. Offensichtlich ist in den
Flüssigkulturen nicht immer das drin, was laut Etikett enthalten sein
sollte.
Abb. 9.1 zeigt Platten eines anderen
Vereinzelungsausstrichs. Die linke Platte zeigt ein Bild, wie man es sich
wünscht: Alle Kolonien, zeigen das typische Erscheinungsbild von
Hefekolonien (grüne Pfeile): Sie sind hell, fast weiß, und deutlich
gewölbt. Außerdem duftet eine solche Platte wunderbar nach den gebildeten
Aromastoffen. Anders bei der mittleren Platte: Zwischen den Hefekolonien
fanden sich milchig-trübe, flache Kolonien (rote Pfeile). Hierbei handelte
es sich um Essigsäurebakterien, die Flüssigkultur roch beim Öffnen stark
nach Essig. Als besondere Dreingabe wuchs ein Schimmelpilz am unteren Rand
der Platte (brauner Pfeil). Die auf der rechten Platte ausgestrichene
Flüssigkultur war besonders stark mit Schimmelpilzen verseucht.
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Abb.
9.1: Vereinzelungsausstrich von Reinzuchthefen
auf einem synthetischen Nährmedium. Je nach Sorte finden
sich ausschließlich helle Kolonien von Hefen (grüne
Pfeile) oder ein Gemisch mit milchig-trüben Kolonien von
Bakterien (rote Pfeile) oder Schimmel (brauner Pfeil, Platte rechts). |
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Es ist schon ein starkes Stück, wenn einem solche
Flüssigkulturen angedreht werden. Essigsäurebakterien sind der Todfeind
bei der Weinbereitung, Schimmelpilze können verschiedene Giftstoffe
produzieren. Da ich die verseuchten Flüssigkulturen von verschiedenen
Herstellern bezogen habe, brauche ich hier keine Namen nennen; alle großen
Hersteller haben geschludert. Ich habe ein paar Monate später nochmals
Kulturen der verseuchten Hefen bestellt und untersucht, dann erwiesen sie
sich als rein. Dabei stellt sich mir die Frage, wie man reproduzierbar
einen guten Wein machen soll, wenn die Zulieferer nicht in der Lage sind,
Flüssighefen mit garantiert guter Qualität zu liefern. Generell kann
ich im Moment nicht zur Verwendung von Flüssighefen raten.
Besser geeignet sind die Trockenhefen, die man in Deutschland leider
seltener bekommt. Nochmals: Wenn Sie eine Flüssighefe verwenden wollen, so sollten
Sie eine Starterkultur ansetzen.
Vermehrung von Hefen und Starterkulturen
Eine Starterkultur bzw. Gärstarter sind kleine,
einfache Weinansätze, die in erster Linie zur Vermehrung der Hefen
dient. So stellen Sie sicher, dass sie eine vitale und gärfähige Hefe in
ihren Ansatz geben. Es ist weniger ärgerlich, einen kleinen Gärstarter
wegschütten zu müssen als einen großen Ansatz mit vielleicht teuren
Früchten oder Früchten, die sie mühselig selbst geerntet haben.
Zum Ansetzen werden folgende Zutaten benötigt:
0,5 l naturtrüber Apfelsaft
0,5 g Hefenährsalz
50 g Zucker
Reinzuchthefe (Flüssig- oder Trockenhefe)
oder
0,5 l klarer Trauben- oder Apfelsaftsaft
0,5 g Hefenährsalz
10 g Mehl
50 g Zucker
Reinzuchthefe (Flüssig- oder Trockenhefe)
Denken Sie daran: Flüssighefen müssen vor dem
Gebrauch aufgeschüttelt werden, und in den Gärstarter gehört das ganze
Fläschchen Hefe!
Geben sie alles in eine geeignete Flasche, die noch
Steigraum für Schaumbildung hat, und verschließen Sie sie mit einem
Wattebausch oder noch besser mit einem Gärröhrchen. Bei Raumtemperatur
sollte die Gärung innerhalb von ein bis zwei Tagen einsetzten. Gärt die
Starterkultur heftig, kann sie in den Most gegeben werden. Da der
Gärstarter nicht viel Zucker enthält, wird die Gärung auch schnell wieder
nachlassen. Der Gärstarter kann dann im Kühlschrank einige Tage aufbewahrt
werden. Er ist leicht verderblich, falls andere Mikroorganismen hinein
gelangen. Insbesondere Schimmel wächst auch im Kühlschrank. Vor der
Verwendung sollte man sich den Gärstarter also kritisch ansehen und man
sollte an ihm riechen: Er soll lecker nach Hefen riechen. Riecht er muffig
oder nach Essig, so ist er zu verwerfen.
Erst wenn der Gärstarter bereit ist wird der
eigentliche Weinansatz vorbereitet! Pro 10 l Wein reichen 50-100 ml des Gärstarters
völlig aus. Nicht vergessen: Der Gärstarter muss aufgeschüttelt werden,
falls sich die Hefen abgesetzt haben!
Sie können auch die Hefe aus einem älteren
Weinansatz nutzen. Ist die Gärung in einem Weinansatz abgeschlossen, setzen sich
die Zellen am Boden des Gärgefäßes ab. Sie können
eine neue Gärung starten, indem sie ein wenig vom Bodensatz
zum frischen Most geben. Sie können die Hefen auch in saubere
Flaschen füllen und einige Tage bis wenige Wochen lang im
Kühlschrank aufbewahren. Mit dieser Methode haben die Winzer
über Jahrhunderte hinweg Wein hergestellt, lange bevor die
Hefe entdeckt war! Aber Vorsicht: Sie gehen auch ein Risiko ein,
denn Sie können nicht erkannte Verunreinigungen durch unerwünschte
Organismen auf einen frischen Most übertragen, wo sie sich
bei der zunächst geringen Alkoholkonzentration explosiv
vermehren können. Außerdem kann sich die Hefe in
ihren Eigenschaften verändern. Sie sollten daher bei jedem
dritten Wein eine frische Reinzuchtkultur verwenden.
Eine gesunde Hefe in einem gesundem Wein
Je wohler sich eine Hefe in einem Wein fühlt desto
rascher und sauberer wird die Gärung verlaufen. Vier Faktoren sind dabei
wichtig:
- ein geringer Zuckergehalt zu Beginn der Gärung
(siehe auch Kapitel "Zucker")
- genügend Trübstoffe
- Nährsalz
- sonstige Nährstoffe
Trübstoffe fördern die Gärung aus
mehreren Gründen. Hefen heften sich an Trübstoffe an und können dadurch
frei im Wein schwimmen. Das fördert die Versorgung mit Nährstoffen und
Zucker. Angenommen alle Hefezellen würden sich unten am Boden absetzten:
Diejenigen die ganz unten liegen wären sehr schnell ausgehungert. Außerdem
fördern Trübstoffe den Austritt des bei der Gärung entstehenden
Kohlendioxids indem sie die Bildung von Gasblasen fördern. Häuft
sich ein Überschuss Kohlendioxid im Medium an kann es die Gärung hemmen.
Hefenährsalz wird eingesetzt weil
Früchte einen sehr niedrigen Stickstoffgehalt aufweisen, ferner Versorgt
das Hefenährsalz die Hefen noch mit wichtigen Schwefel- und/oder
Phosphatverbindungen. Dieser niedrige Stickstoffgehalt kann hartnäckige
Gärstockungen verursachen, sowohl bei Saft- als auch bei Maischegärungen.
Nicht nur das Hefenährsalz ist
wichtig für die Ernährung unserer Hefe. Früchte können viele
wachstumsfördernde Substanzen enthalten. Besonders wichtig für die Hefe
sind Substanzen die im Trester von frisch ausgepressten Früchten enthalten
sind. Sie werden erst bei der Gärung aus der festen Fruchtmasse
freigesetzt. Deshalb sind Maischegärungen immer robuster als Saftgärungen, denn
bei der Saftgärung gelangt ein Großteil dieser Substanzen nicht mit in den
Weinansatz. Auch Trübstoffe können diese Substanzen enthalten und damit
das Hefewachstum fördern.
Eine ungenügende Hefeernährung
kann zu hartnäckigen Gärstockungen führen. Mehr Information finden Sie in
den Kapiteln "Zucker" (Auswirkung einer zu hohen Zuckerkonzentration),
"Zutaten" (Zusammensetzung von Hefenährsalzen) und "Weinfehler"
(Ursachen und Vermeidung von Gärstockungen).
Lagerung der Hefen im heimischen Tiefkühlschrank
Mit den Hefen eines Gärstarters oder eines schon
fertigen Weins kann man einen neuen Gärstarter animpfen und so fort.
Theoretisch könnte man sich so die Hefen endlos vermehren, und man hat
immer eine Hefe zu Hause. In der Praxis sollte man trotzdem öfter frische
Hefen nehmen. Das hat mehrere Gründe:
- bei jedem Überimpfen in einen neuen Gärstarter
steigt die Gefahr, dass unerwünschte Mikroorganismen in den Ansatz
gelangen und sich unerkannt vermehren
- Weinhefen können genetisch instabil sein. Es sind
oft polyploide Hochleistungsststämme (d.h. sie haben mehrere überzählige
Chromosomensätze) und verändern ihre Eigenschaften im Laufe der
Generationen.
- Es heißt, die Gäraktivität würde generell
abnehmen, wenn man die Weinhefen von Ansatz zu Ansatz überimpft
Es gibt eine Möglichkeit, die Hefen dauerhaft
aufzubewahren: Gefroren bei -20°C im heimischen Tiefkühlschrank. Der
Gärstarter kann allerdings nicht direkt eingefroren werden. Der Grund: Die
sich bildenden Eiskristalle zerstören die Hefezellen. Deshalb wird die
Hefesuspension mit Glycerin versetzt, das als Frostschutzmittel wirkt und
die Eiskristallbildung unterdrückt. Noch einmal: Glycerin ist völlig
unbedenklich und ist sowieso in jedem Wein enthalten.
Gehen Sie wie folgt vor:
- Stellen Sie wie oben beschrieben einen Gärstarter
her. Achten Sie insbesondere bei Hefen mit niedriger Alkoholtoleranz
darauf, dass nur Zucker für etwa 6-8% Alkohol enthalten ist. Lassen Sie
den Zucker vollständig vergären.
- Schütteln Sie die Kohlensäure, wenn nötig,
kräftig aus. Der Sinn der Aktion: Die Hefe soll sich nun am Boden
absetzen, dabei stört verbliebenes Kohlendioxid. Eine niedrige
Temperatur kann das Absetzen der Hefe beschleunigen: Stellen Sie das
Gefäß in den Kühlschrank.
- Warten Sie bis die Hefe einen hellen, relativ
kompakten Bodensatz gebildet hat. Über der Hefe kann sich ein lockerer
Bodensatz auf Apfelresten bilden. Schütten Sie den Überstand inklusive
der Apfelreste vorsichtig ab bis nur der Hefebodensatz übrig bleibt.
- Die Hefe wird in der verbliebenen Restflüssigkeit
durch Aufschütteln wieder in Lösung gebracht. Nun muss das Volumen
dieser
Hefesuspension bestimmt werden, z.B. indem man die Flüssigkeit in einen
Messzylinder überführt.
- Nun wird ein zehntel Volumen Glycerin (99%ig) zu den
Hefen gegeben (also z.B. 5 ml Glycerin auf 50 ml Hefesuspension).
Achtung: Das Glycerin ist sehr dickflüssig, deshalb muss nach Zugabe des
Glycerins sehr gründlich gemischt werden.
- Die Hefesuspension wird nun in eine Eiswürfelform
umgefüllt und bei -20° eingefroren. Anschließend werden die Eiswürfel
(mit oder ohne Form) mit möglichst wenig Luft in einen Gefrierbeutel
gegeben; dieser wird fest verschlossen. Alternativ kann man
Eiskugelbeutel verwenden.
Die Hefen sind so, je nach Heferasse, Monate bis
Jahre lagerfähig. Der Hefe-Eiswürfel können einzeln entnommen werden, und
man kann sie direkt in den fertigen Weinansatz geben, um die Gärung zu
starten. Es ist aber besser, wenn Sie auch mit den gefrorenen Hefen
zunächst einen Gärstarter ansetzen.
Professionelle Lagerung und Vermehrung
von Hefen
In der Mikrobiologie werden Hefen bei -80°C
gelagert. Bei dieser niedrigen Temperatur sind die Hefen noch
nach Dekaden lebensfähig. Nicht ganz so effizient, aber
für einige Monate durchaus ausreichend, ist die Lagerung
im heimischen Tiefkühlfach. Ich habe die Reinzuchthefen
zunächst auf Petrischalen wie oben beschrieben ausgestrichen
und so vermehrt. Anschließend habe ich sie abgekratzt und
in ein vorbereitetes Fläschchen, das mit 14% (v/v) Glycerin
gefüllt ist, resuspendiert. Im Laborjargon habe ich "eine
Glycerinkultur" hergestellt. Ab geht es in das Eisfach. Das
Glycerin verhindert die Bildung von Eiskristallen, welche die
Zellen durchlöchern und damit abtöten. Wird die Hefesuspension
nicht fest, ist die Temperatur im Eisfach nicht niedrig genug,
wodurch die Lebensdauer der Glycerinkultur drastisch herabgesetzt
wird. Sie können dann eine etwas geringere Glycerinkonzentration
ausprobieren. Um die Hefen wieder zu beleben, kratze ich ein stricknadelkopfgroßes
Stück Eis heraus und mache einen Vereinzelungsausstrich
auf einer Petrischale mit frischem Nährmedium. Hierfür
benutze ich sterile Schaschlikspieße aus Holz. Nach etwa
drei bis vier Tagen bei Raumtemperatur sind die Hefen zu großen
Kolonien herangewachsen. Dann schwemme ich sie mit etwas Wasser
ab und gebe sie zum Most. So sind meine Hefen immer frisch, meine
Weine gären rasch an, und ich bin nicht auf den ewigen Neukauf
von Reinzuchthefen angewiesen.
Leider wachsen nicht nur Hefen auf dem Nährmedium, sondern
auch viele andere Mikroorganismen. Deshalb ist es erforderlich,
sowohl das Nährmedium, als auch das Glycerin und alle Gerätschaften,
mit denen die Hefe in in Berührung kommt, zuvor zu sterilisieren,
also keimfrei zu machen. Dies geschieht durch das Autoklavieren.
Dabei handelt es sich um eine Wärmebehandlung im gespannten
Dampf. Wie genau dies durchgeführt wird und wie man steril
arbeitet erfahren Sie im nächsten Kapitel.
Alle Bestandteile zur Herstellung eines festen Nährmediums
sowie sterile Einweg-Petrischalen können Sie von Apotheken
oder vom Chemie-Fachhandel beziehen. Mischen Sie die folgenden
Ingredienzien und füllen sie mit destilliertem Wasser auf
ein Endvolumen von 500 ml auf:
5 g Hefeextrakt (yeast
extract)
10 g Pepton (peptone)
10 g Glukose (dextrose)
10 g Agar-Agar
Nach seinen Hauptbestandteilen im englischen
wird diese Mischung YPD-Medium genannt. Agar-Agar ist
ein Produkt verschiedener Rotalgen und sorgt für das Festwerden
des Mediums nach dem Autoklavieren. Ist das Medium soweit abgekühlt,
das die Flasche gerade mit bloßen Händen angefasst
werden kann, wird es in die sterilen Petrischalen geschüttet.
500 ml reichen für etwa 20 Platten. Kühlt das Medium
nun weiter ab, erstarrt es schließlich. Die Platten können
dann in Tüten im Kühlschrank gelagert werden. Die Platten
sollten dabei immer auf dem Kopf stehen, damit Kondenswasser
nicht auf das Medium tropft.
Apotheken haben in der Regel Apothekenpreise.
Alternativ können Sie ein Medium aus Kartoffeldekokt versuchen.
Als Nichtlateiner habe ich nachgeschlagen: Das Wort kommt vom
lateinischen "decoctum" und bedeutet "Abkochung".
Zur Herstellung von Kartoffeldekokt schälen und reiben Sie
Kartoffeln, anschließend wird die dreifache Menge Wasser
hinzu gegeben. Dieses Gemisch soll einige Stunden im Kühlschrank
ruhen, anschließend werden die groben Bestandteile abgetrennt,
indem die Masse durch ein Tuch abgeseiht wird. Mischen Sie nun
120 ml Kartoffeldekokt
10 g Glucose oder 10 g Haushaltszucker
2 g Ammoniumsulfat
10 g Agar
und füllen Sie mit Leitungswasser
(!) auf das Endvolumen von 500 ml auf. Anschließend wird
die Lösung autoklaviert, die Platten werden wie oben beschrieben
gegossen. Ich habe dieses Medium noch nicht selbst ausprobiert,
Berichten zufolge sind Hefekolonien auf diesen Platten dunkler
als auf dem YPD-Medium (Abb. 9.1) und oft runzlig.
Von uns verwendete Heferassen
| Hefe/Rasse |
Lieferant/
Quelle |
Alkohol-
toleranz [%]* |
Bemerkungen |
| Anchor N 96 |
Anchor Yeast |
14-16 |
S. bayanus, Sekthefe, auch zur
Behebung von Gärstockungen |
| Anchor NT 50 |
Anchor Yeast |
16 |
14-30°C, aromatisch, frisch,
fruchtig, für Rotweine |
| Assmannshausen |
Kitzinger |
7-9 |
problemlos |
| Assmannshausen |
Forschungsanstalt
Geisenheim |
n/a |
"besondere Schonung der Farbe
und Förderung des Rotwein-Charakters" |
| Assmannshausen |
Schlag/Vina |
7-9 |
Gemisch |
| Bernkastel |
Schlag/Vina |
6-8 |
Gemisch |
| Bioferm Blanc |
Vinoferm |
14 |
S. cerevisiae ellipsoides
"Epermay", für Weißweine |
| Bioferm Killer |
Vinoferm |
18 |
S. bayanus "Killer", hohe Alkoholtoleranz (bis 18%) |
| Bioferm Rouge |
Vinoferm |
15 |
S. cerevisiae, für
Rotweine, mit Killer-Faktor, hohe Schwefeltoleranz |
| Bordeaux |
Kitzinger |
7-15 |
problemlos |
| Burgunder |
Vierka |
n/a |
problemlos |
| Champagne "Epernay" |
Forschungsanstalt
Geisenheim |
n/a |
für Wein und Sekt, "Frische und
Fruchtigkeit" bei der Erstgärung |
| Fendant |
Forschungsanstalt
Geisenheim |
9-12 |
aus der Schweiz, für alle
Mostgärungen |
| "Gianluigi" |
privat |
15 |
Weinhefe eines Ex-Kollegen |
| Haut Sauternes |
Kitzinger |
12-16 |
problemlos bei Gärung, Kolonien
auf Platte sehr runzelig bei langer Lagerung |
| Hefix 2000 |
Erbslöh |
n/a |
S. bayanus LW 185-25, Spezialhefe
zur Umgärung und Beseitigung von Gärstockungen |
| IOC R 9001 |
Institut
Oenologique de Champagne |
>14 |
empfohlen für rote Jung- und
Primeur-Weine, ausgeprägte Autolyse zur BSA-Förderung |
| Jerez |
Forschungsanstalt
Geisenheim |
n/a |
deckenbildender Hefestamm |
| Liebfraumilch |
Vierka |
9-11 |
Lösungsmittelgeruch bei Ausstrich
auf Platte, schleppende Gärung** |
| Liebfraumilch |
Kitzinger |
9-11 |
im Ausstrich OK, Gärung noch
nicht getestet |
| Malaga |
Kitzinger |
12-15 |
problemlos |
| Montrachet |
Forschungsanstalt
Geisenheim |
n/a |
"universelle Eigenschaften" |
| Oenoferm Freddo |
Erbslöh |
15 |
S. c. var. bayanus Stamm LW
317-30, Weißweinhefe für die aromafördernde Kaltgärung (13°-17°C) |
| Oenoferm rouge |
Erbslöh |
n/a |
S. cerevisisae LW317-29,
problemlos |
| Oenoferm Weissweinhefe |
Erbslöh |
n/a |
S. cerevisisae LW317-28,
problemlos |
| Pfälzer |
Vierka |
8-9 |
Lösungsmittelgeruch bei Ausstrich
auf Platte, schleppende Gärung** |
| Portwein |
Kitzinger |
12-15 |
problemlos bei Gärung, scheint
ein Gemisch aus zwei Hefen zu sein** |
| Rüdesheim |
Schlag/Vina |
8-10 |
Gemisch |
| S. cerevisiae DSMZ 70487 |
DSMZ |
n/a |
synonym S. diastaticus,
hat Amylaseaktivität |
| Sake |
Wyeast |
n/a |
spezielle Hefe zur
Reisweinherstellung |
| Samos |
Vierka |
12-16 |
problemlos |
| Sherry |
Kitzinger |
12-15 |
problemlos |
| Siha Aktivhefe 3 |
Begerow |
14 |
S. cerevisiae WET 136, für
komplexe fruchtige Weißweine und Primeurcharakter bei Rotweinen;
Temperaturbereich 17-22°C |
| Siha Aktivhefe 10 (Red Roman) |
Begerow |
16 |
Spezialhefe für südländische
Weintypen, Temperaturbereich 15-28° |
| Siha-CF 11 |
Begerow |
14 |
problemlos, Kaltgärhefe für
Weißwein, Temperaturbereich 17-22°C |
| Steinberg |
Kitzinger |
8-10 |
problemlos |
| Tarragona |
Vierka |
14-16 |
Lösungsmittelgeruch bei Ausstrich
und schleppende Gärung, nach Neubestellung problemlos** |
| Tokaier |
Vierka |
10-16 |
Lösungsmittelgeruch bei Ausstrich
und schleppende Gärung** |
| Tokaj |
Kitzinger |
10-16 |
problemlos |
| Torulaspora delbrueckii
DSMZ 70504 |
DSMZ |
n/a |
synonym S. fermentati,
spezielle Hefe zur Sherryveredelung |
| Turbohefe |
Alcotec |
20 |
Gärung verlief problemlos, aber
weder sonderlich schnell noch bildete sich mehr Alkohol als z.B. mit
Samos; ungeeignet für Wein |
| Würzburger Stein |
Kitzinger |
8-10 |
Lösungsmittelgeruch bei Ausstrich
auf Platte, Gärung nicht getestet** |
* Angaben laut Lieferant oder Literatur. Die
Alkoholtoleranz vieler Stämme hat sich in der Praxis als höher erwiesen.
** Die teilweise beschriebenen Probleme
mit den Hefen bedeutet nicht, dass ein grundsätzliches Problem mit der
jeweiligen Heferasse besteht. Es bedeutet nur, dass die von uns erworbene
Hefe möglicherweise nicht in Ordnung war.
Weiterhin haben wir noch ein paar
Bierhefen, eine Brenn-, eine Kaltgär- und eine Sekthefe und den Koji-Kin
Pilz für die Sakeherstellung, die aber noch
nicht zum Einsatz gekommen sind.
Killer-Hefen
In der Tabelle tauchen sogenannte "Killer-Hefen"
auf. Dieser martialisch anmutende Begriff sorgt regelmäßig für Verwirrung
und Unsicherheit. Er beschreibt aber ein für Menschen absolut
ungefährliches und natürliches Phänomen. So kann man im bunten Hefegemisch
einer wilden Gärung in fast 90% aller Fälle auch Killer-Hefen nachweisen.
Killer-Hefen scheiden sogenannte Killer-Faktoren
oder Killer-Toxine aus, die spezifisch auf andere Hefen tödlich wirken.
Die Killer-Stämme sind immun gegen das von ihnen selbst produzierte
Toxin. Sehr gut erforscht sind die Killer-Systeme der Hefe-Gattung
Saccharomyces (hier gibt es fünf verschiedene Killer-Systeme), aber
auch andere Gattungen haben eigene Killer-Toxine, z.B. Pichia,
Kluyveromyces und Williopsis.
Im natürlichen Umfeld der Hefe, also z.B. in einer
überreifen Frucht, deren Außenhaut verletzt wurde, wachsen allerlei
verschiedene Hefen um die Wette. Man kann sich vorstellen, dass
Killer-Hefen einen Vorteil haben, wenn sie Nahrungskonkurrenten
ausschalten können. Das macht man sich auch bei Weinherstellung zu Nutze.
Spezielle Killer-Weinhefen können das Wachstum unerwünschter wilder Hefen
unterdrücken. Dadurch kann das Risiko einer Fehlgärung oder Weinfehlers
durch z.B. Kahmhefen vermindert werden. Wenn der Hobbywinzer also
überreife Früchte vergären möchte, so tut er gut daran, eine Killer-Hefe
zu verwenden.

© Dr. Andreas Kranz, Birgit Schmuck 2007
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