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Die Gärung ist nun also vorbei:
Es entsteht kein Kohlendioxid mehr, der Restzucker ist stabil, und die
Hefe beginnt sich am Boden des Ballons abzusetzen. Wie bereits im vorigen Kapitel erwähnt, kann dies durch eine leichte Schwefelung (Zugabe von
1 g Kaliumpyrosulfit pro 10 l Wein) beschleunigt werden. Dies unterbindet
die Stoffwechselaktivität der Hefen und bietet einen Schutz vor
unliebsamen Verunreinigungen mit Fremdorganismen. Außerdem wird der Wein
bald mit Sauerstoff in Berührung kommen, und die Schwefelung schützt uns
vor Oxidation. Nach Zugabe kann der
Ballon beherzt geschüttelt werden, dies treibt Kohlendioxidreste aus dem
Wein und unterstützt so des Absetzen der Hefezellen, die nun ihre Arbeit
getan haben. Nun soll der Ansatz möglichst kühl und ruhig gelagert werden. Innerhalb
von einer bis drei Wochen bildet sich nun ein kompakter Bodensatz aus
Hefezellen und anderen Trübstoffen, meist Fruchtresten. Auch wenn der Wein
noch nicht klar ist, muss er trotzdem rasch vom Bodensatz abgezogen
werden. Die absterben Hefezellen beginnen sich nämlich zu zersetzen,
wodurch unangenehme Geschmacksstoffe freigesetzt werden können (siehe "Hefeböckser"
im Kapitel "Weinfehler"). Dazu wird der Ballon zunächst auf einen Tisch
oder einen Stuhl gestellt. Nun kommt ein Weinheber zum Einsatz, der am
besten zum Abziehen geeignet ist. Dies ist ein Kunststoffrohr mit einem
geraden und einem gebogenen Ende. Das gerade Ende hat seitlich eine
Öffnung, mit der der Wein angesaugt wird. Dieses Ende gehört in den
Ballon. Am gebogenen Ende ist ein Schlauch mit einem Hahn angebracht. Der
Wein wird angesaugt, bis der Schlauch sich füllt. Aber bitte nicht direkt
mit dem Mund! Speichel mit Keimen hat im Wein nichts zu suchen.
Ansaughilfen gibt es z.B. im Zoohandel (gedacht für Aquarianer, die ihr
Fischwasser nicht mögen). Ich benutze ein kleines Stück Schlauch, das ich
nur zum Ansaugen auf den Hahn stecke. Saugen Sie nun den Wein an und
schließen Sie den Hahn, wenn der Wein den Schlauch gefüllt hat. Entfernen
Sie die Ansaughilfe, führen Sie den Hahn in die Öffnung eines neuen,
tiefer stehenden Ballons und öffnen Sie ihn. Durch die Schwerkraft fließt
der Wein in den neuen Ballon (Abb. 13.1).
Dabei müssen Sie
unbedingt vermeiden, dass Material vom Bodensatz mit in den neuen Ballon
gelangen. Nehmen Sie notfalls in Kauf, das Wein im Gärballon zurückbleibt.
Es ist hilfreich, wenn man zu zweit arbeitet: Eine Person sollte das Rohr
im Ballon mit dem Bodensatz festhalten, damit die Trübstoffe nicht durch
eine unachtsame Bewegung aufgewühlt werden.
Der neue Ballon sollte im Idealfall zu 9/10 gefüllt
sein, damit der Wein nur mit wenig Sauerstoff in Berührung kommt. Der
Ballon wird wieder mit einem Gärröhrchen verschlossen und kühl gelagert.
Nun setzt die Selbstklärung ein. Hoffentlich.
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| Abb.
12.1: Mit etwas Übung kann man den klaren Wein mit einem
Weinheber vom Bodensatz abziehen |
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Die Selbstklärung
Nach und nach setzen sich auch feinere Trübstoffe ab.
Oft kann man eine komplexe Schichtung erkennen, wenn sich Fruchtreste
gemäß ihrer Größe und Dichte unterschiedlich schnell absetzten. Dieser
Prozess kann sehr gut mit einer starken Taschenlampe verfolgt werden: Ist
die Glühwendel der Birne beim Durchleuchten des Ballons scharf zu
erkennen, ist der Wein tatsächlich völlig klar. Dann kann die
Flaschenabfüllung erfolgen. Hier kommt wieder der Weinheber zum Einsatz.
Dabei sollten Sie vermeiden, den oft sehr lockeren Bodensatz aufzuwirbeln,
damit der Wein in der Flasche absolut klar ist.
Während der Selbstklärung kann der Wein qualitativ noch
gewinnen: Er kann runder und voller im Geschmack werden. Dies liegt an
stofflichen Veränderungen, die er in der Ruhephase erfährt. Daran sind
winzige Hefereste beteiligt, die beim ersten Abstich unweigerlich mit in
den Ballon geraten. Solange sie noch leben schützen sie den Wein vor
eindringendem Sauerstoff, wenn sie irgendwann absterben und sich auflösen
setzen sie Bestandteile der Zellwand frei, die sich positiv auf die
geschmackliche Dichte und die Aromatik auswirken. Eine Selbstklärungsphase
von einem bis mehreren Monaten tut deshalb jedem Wein gut, egal ob er
geschönt oder gefiltert werden soll.
Um Missverständnissen vorzubeugen: Enthält der Wein zu
viele Hefen bei der Selbstklärung, so können die zersetzenden Hefen
Weinfehler fördern, zum Beispiel den Bewuchs mit Milchsäurebakterien, oder
es kommt zum gefürchteten Hefeböckser (siehe auch Kapitel "Weinfehler und
Weinkrankheiten"). Deshalb sollte man bei der Selbstklärung keinesfalls
"mit Absicht" etwas Hefe im Wein belassen. Sichtbare Hefemengen sind im
Zweifelsfall des Guten zu viel!
Die
Schönung
Die Selbstklärung kann Wochen, Monate oder sogar Jahre
dauern. Viele Weine klären sich selbständig, aber längst nicht alle. Die
Selbstklärung klappt zum Beispiel gut bei Johannisbeerwein oder Zwetschgenwein. Als
besonders hartnäckig hat sich in meinen Händen Apfelwein gezeigt, wenn ich
gekauften naturtrüben Saft verwendet hatte, und Ananaswein. Auf jeden Fall
brauchen sie viel Geduld. Wenn Sie die nicht aufwenden wollen, können Sie
eine Schönung versuchen.
Um es gleich zu sagen: Ein Fruchtwein, der nicht klar
wird, hat vor allem ein kosmetisches Problem, bestimmte Trübstoffe können
aber auch den Geschmack beeinflussen. Wenn Sie mit
einem Bodensatz in den Flaschen leben können, können Sie den Wein ruhig
zügig abfüllen. Sie sollten allerdings darauf achten, dass die Trübung nur durch
Fruchtreste hervorgerufen wird und keine Hefen mehr enthalten sind. Ich
persönlich finde solche Flaschen eher unschön. Wenn Sie Ihre Bekanntschaft
von der hohen Qualität der Fruchtweine noch überzeugen müssen, sollte
außerdem die äußere Erscheinung stimmen.
Bei einer Schönung macht man sich zunutze, dass viele
Trübstoffe eine kleine elektrische Ladung besitzen, sie sind entweder
positiv oder negativ geladen. Da sich gegensätzliche Ladungen anziehen,
kann man gezielt "schwere Teilchen" hinzugeben, die an die Trübstoffe
binden und sich mit ihnen zusammen rasch absetzen. Dazu müssen Sie
natürlich wissen, was für eine Ladung die Trübstoffe in ihrem Wein
aufweisen. Leider ist das von Wein zu Wein verschieden. Oft werden auch zwei verschiedene Schönungsmittel
hintereinander eingesetzt, um positive und negative Trübstoffe zu
entfernen.
Prinzipiell gilt auch hier: Jeder Weinansatz ist
unterschiedlich! Alle Angaben zur Verwendung von Schönungsmitteln sind nur
Richtwerte. Außerdem darf der Wein keine groben Fruchtreste mehr
enthalten, auch nicht im Bodensatz! Notfalls müssen Sie den Wein vor der
Klärung nochmals in einen neuen Ballon abziehen. Wenn Sie einen kostbaren
Wein behandeln wollen, sollten Sie außerdem einen Vorversuch mit einem
kleinen Volumen durchführen. Entnehmen Sie dazu etwa 100 ml Wein und
setzen Sie die Schönungsmittel wie unten beschrieben ein. Erst wenn der
Versuch in der Flasche das gewünschte Ergebnis bringt, sollten Sie Sich an
den Rest Ihres Weins wagen. Denn eine misslungene Schönung kann das
Trübstoffproblem noch verschlimmern, weil die Schönungsmittel in Lösung
bleiben! Schönungsmittel können zu spürbaren Geschmacks- und
Farbverlusten führen, nicht nur bei Überdosierung.
Vor der Schönung muss der Wein vom Bodensatz
abgezogen werden! Die optimale Menge an Schönungsmitteln sollte vor der
Schönung durch Vorversuche mit kleinen Volumina ermittelt werden! Bei
jeder Schönung gehen Farb- und Aromastoffe verloren!
Die Schönung sollte unmittelbar vor der
Flaschenabfüllung erfolgen. Sie versetzen den Wein mit unsterilen
Behandlungsmitteln, wodurch Sie sich möglicherweise unerwünschte Keime im
Wein einfangen könnten. Da bei der Abfüllung eine Schwefelung erfolgt
(siehe Kapitel "Die Abfüllung"), sind Sie vor den Keimen geschützt.
Im Rezeptteil werden Sie bei einigen Weinen Hinweise
finden, welche Art und welche Menge von Schönungsmitteln sie jeweils
versuchen können. Sie sollten trotzdem Vorversuche durchführen! Wir haben
einige Zeit mit den Schönungen herumprobiert, sind aber inzwischen ganz
davon abgekommen. Unsere Schönungsversuche waren zwar oft mehr oder
weniger erfolgreich, führten aber manchmal zu einem großen Volumen an
leichtem Bodensatz. Dadurch fehlten uns regelmäßig einige Liter beim
Abfüllen, wodurch unsere Flaschenausbeute geringer wurde. Das ist schon
ärgerlich, wenn man wie wir meist mit Weinansätzen zwischen 10 und 20
Litern arbeitet. Außerdem beobachteten wir manchmal nach der Schönung bei
optischen klaren Weinen nach einiger Zeit in der Flasche die Bildung eines
sehr feinen Bodensatzes, der einfach unschön war. Deshalb haben wir uns
einen Weinfilter zugelegt und haben sehr gute Erfahrungen damit gemacht.
Trotzdem will ich der Vollständigkeit halber auf die Vorgehensweise und
die Prinzipen der Schönung eingehen.
Positiv geladene Schönungsmittel
Weine, die aus einer Maischegärung hervorgegangen sind,
haben oft besonders viele Gerbsäuren, die ja bevorzugt in verholzten
Fruchtteilen oder der Schale enthalten sind und in der Maische aus diesen
Fruchtteilen herausgelöst werden. Da Gerbsäuren negativ geladen sind,
werden solche Weine oft mit positiven Schönungsmitteln behandelt.
Etwas aus der Mode gekommen ist die Hausenblase als positiv
geladenes Schönungsmittel,
dies ist die getrocknete und zerkleinerte Schwimmblase von bestimmten Fischen. Das gebräuchlichste positiv geladene Schönungsmittel ist heute die
Gelatine, ein teilweise gespaltenes Gerüstprotein (Kollagen) aus
Bindegewebe, Knorpel, Knochen und Sehnen. In Abhängigkeit von der Stärke
der Trübung werden etwa 0,5-6 g Gelatine pro 10 l Wein eingesetzt.
Vor dem Einsatz muss die Gelatine zunächst vorgequollen
werden, dazu gibt man die benötigte Menge Gelatine in 40°C warmes Wasser
oder Wein. Die Konzentration bei der Vorquellung sollte dabei 10 g Gelatine pro Liter nicht
übersteigen. Vorsicht bei der Verwendung der Mikrowelle: Die Gelatine darf
in der Flüssigkeit nicht kochen! Nun wird gerührt, bis die Gelatine
vollständig gelöst ist. Diese Lösung sollten Sie immer frisch ansetzen,
denn sie ist auch im Kühlschrank nicht lange haltbar und ist ein ideales
Nährmedium für verschiedene Keime, die im Wein nicht zu suchen haben! Nun
kann Gelatinelösung in den Wein gegeben werden. Anschließend gut mischen
und den Wein kühl stellen. Innerhalb von 12 Stunden sollte sich die
Gelatine zusammen mit dem Trübstoffen am Boden absetzen. Der so erhaltene
Bodensatz ist meist sehr locker. Wenn Sie viel Gelatine eingesetzt
haben, können ihnen in einem 10 l-Ballon durchaus zwei, drei Liter Volumen
verloren gehen. Nun kann der Wein vom Bodensatz abgezogen werden.
Negativ geladene Schönungsmittel
Da Gerbsäure den Ausfall von Eiweißen bewirkt,
enthalten viele gerbstoffarme Weine gelöstes Eiweiß. Auch wenn der Wein
zunächst völlig klar ist, kann es bei langer Lagerung passieren, dass das
Eiweiß erst später ausfällt und eine hässliche Trübung hervorruft.
Hierzu gibt es einen einfachen Test: Entnehmen Sie 50 -100 ml klaren Wein
und kochen sie die Probe auf. Dabei wird das gelöste Eiweiß ausfallen und sich
so durch die Bildung einer Trübung oder Flocken verraten.
Eiweiß kann man auch durch die gezielte Zugabe von
Gerbstoffen ausfällen. Hierzu rührt man bis zu 1 g des Gerbstoffs
Tannin auf 10 l in den Wein. Der Ausfall des Tannins dauert in der
Regel länger als bei anderen Schönungsmitteln. Ist alles Eiweiß
ausgefallen, kann das überschüssige Tannin in Lösung bleiben und so den
Geschmack des Weins beeinflussen. Bei gerbstoffreichen Weinen, die oft
flau und fade schmecken, kann das ein Gewinn sein. Ich umgehe das Problem
der Eiweißtrübung,
indem ich extrem gerbstoffarmen Weinen (z.B. Honigwein, Wein aus Blüten,
Bananenwein) direkt zu Beginn Tannin beimenge (siehe Rezeptteil).
Uns stehen noch andere negative Schönungsmittel zur
Verfügung. Der wichtigste Vertreter
diese Schönungsmittel ist das Kieselsol. Hierbei
handelt es sich um eine kolloidale Form der Kieselsäure. Von der 15%igen
milchigen
Lösung werden je nach Weinsorte bis zu 20 ml/10 l Wein eingesetzt,
in seltenen Fällen auch mehr. Nun wird der Ballon gut gemischt
und kühl gestellt. Spätestens über Nacht sollte sich das Kieselsol wieder
absetzten.
Ein weiteres negatives Schönungsmittel ist Agar-Agar,
ein gallertartiges Polysaccharid, das aus Rotalgen gewonnen wird. Das
Pulver wird zunächst in Wasser eingerührt und dann aufgekocht,
anschließend wird die noch heiße Lösung in den Wein gegeben. Nun wird der
Wein kräftig durchmischt und kühl gelagert. Innerhalb einiger Stunden
sollte sich der Agar am Boden absetzen. Eingesetzt werden bis zu 2,5 g pro
10 l Wein.
Die Weinindustrie setzt zur Klärung von Weißweinen oft
Bentonit ein, auch Bleicherde, Tonerde oder Podsol genannt. Dies
ist ein Tonerdehydrosilicat mit besonderem Absorptionsverhalten: Das
Bentonit enthält positive Metallionen, die bei der Schönung gegen positive
Eiweißmoleküle im Wein ausgetauscht werden. Bei übermäßigem Einsatz von
Bentonit kann der Wein allerdings dadurch einen Erdgeschmack bekommen.
Bentonit ist übrigens ein Hauptbestandteil von Katzenstreu.
Auf 10 l Traubenwein werden 5-25 g Bentonit eingesetzt,
in seltenen Fällen auch mehr. Die benötigte Menge wird in der fünffachen
Wassermenge gerührt, bis alle Klumpen gelöst sind. Nun lässt man das
Bentonit mehrere Stunden quellen. Anschließend gießt man das
überflüssige Wasser ab und rührt den Brei gleichmäßig in den Wein. Sobald
sich das Bentonit abgesetzt hat kann der Wein vorsichtig vom Bodensatz
abgezogen werden.
Gemischte Schönungsmethoden
Hat ein Wein sowohl negativ als auch positiv geladene
Trübstoffe, so müssen mehrere Schönungsmittel hintereinander eingesetzt
werden. Dabei ist die Reihenfolge, in der die Schönungsmittel eingesetzt
werden sollen, unbedingt zu beachten! Bevor die oben genannten
Schönungsmittel zum Einsatz kommen, empfehlen einige Autoren den
nochmaligen Einsatz von Antigel bwz. Pektinase, denn noch nicht abgebautes
Pektin kann später eine Nachtrübung in der Flasche hervorrufen. Je nach
Weinart werden bis zu 20 ml Antigel pro 10 l Wein verwendet. Häufig werden
die Schönungsmittel Kieselsol und Gelatine kombiniert: Bei der
Kieselsol-Gelatine-Schönung führt man zunächst eine Kieselsol-Fällung
wie oben beschrieben durch. Das Kieselsol sollte sich rasch absetzen,
anschließend wird die gelöste Gelatine hinzu gegeben. Bei der
Tannin-Gelatine-Schönung wird zunächst das gelöste Eiweiß mit Tannin
gefällt, nach 12-24 Stunden wird die doppelte Menge Gelatine zum
Weinansatz gegeben.

© Dr. Andreas Kranz, Birgit Schmuck 2007
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